Können wir es künstlich regnen lassen?

Können wir es künstlich regnen lassen?
Posted in: Regen und Wetter

Gegenwärtig haben mehr als 50 Länder weltweit Forschungsprogramme zur Wetterbeeinflussung aufgesetzt um Wetterextreme abzumildern. Der vielversprechendste Ansatz ist das so genannte «Cloud Seeding». Beim Cloud Seeding werden bestimmte Stoffe in bestehende Wolken reingeschossen oder mit Flugzeugen über den Wolken abgeworfen. Bereits 1946 haben Forscher entdeckt, dass Silberiodid die Bildung von Eiskristallen in Wolken fördern kann. Diese künstlich hinzugefügten Samen (engl. «Seeds») geben den Wolken einen Schub, indem sie Eiskerne erzeugen, die schneller und grösser als normal wachsen und dann zu Regentropfen werden. Eine zweite Möglichkeit ist das hygroskopische Seeding für warme Wolken, bei der ein einfaches Salz dafür sorgt, dass Wassertropfen schneller zusammenstossen und Regen erzeugen. In beiden Fällen muss eine Wolke bereits existieren, damit die Wissenschaftler loslegen können. Es geht bei diesen Ansätzen nicht darum, Wolken zu schaffen, sondern aus bestehenden Wolken mehr Regen herauszupressen.

Gründe für diese Versuche sind vielfältig. Mit Cloud Seeding könnte man Dürreperioden reduzieren, Waldbrände löschen, Unwetter abmildern oder den Schneefall verstärken. Das Problem ist, dass Wolken komplex und vielschichtig sind. Sie können warm oder kalt sein, sie kommen in Gebirgen vor oder auf dem flachen Land, die können extrem verschmutzt sein, oder sehr sauber. Um es geografisch präzise regnen zu lassen, ist noch viel Forschung notwendig, insbesondere beim Verständnis der Entstehung von Wolken und Niederschlägen. Die grundlegende Herausforderung besteht darin, die besten Wolken für die Aufgabe zu identifizieren und zu lokalisieren.

Diese offenen Fragen hindern viele Länder nicht daran, das Verfahren bereits einzusetzen. Indonesien hat 2019 mittels Cloud Seeding versucht, Schäden durch Waldbrände zu begrenzen. In diesem Jahr hat das Land versucht, Regenfälle an bestimmten Orten zu verhindern, nachdem starker Regen bereits zu gefährlichen Erdrutschen geführt hat. Cloud Seeding wurde in manchen Ländern eingesetzt, um Wirbelstürme zu verhindern, den Schneefall zu optimieren und den Nebel rund um Flughäfen zu reduzieren. Im Jahr 2008 hat die chinesische Regierung 1.110 Raketen mit Silberiodid in den Himmel geschossen, um Regenfälle während der Eröffnungsfeierlichkeiten der olympischen Sommerspiele zu verhindern.

Es gibt aber auch kritische Stimmen. Einerseits ist ungeklärt, welche Langzeitfolgen diese Eingriffe in das Wetter haben werden und andererseits stellt sich die Frage, wem das Wasser in den Wolken überhaupt gehört. Kurz gesagt, wenn man es irgendwo bewusst regnen lassen kann, fehlt dieser Regen an anderer Stelle.

1 year ago